Map2Fly - Karte für Drohnen

Map2Fly – Karte für Drohnen (Bild: flynex)

Ziel von Map2Fly: „Unternehmen werden fit für den Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme“

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Wo darf ich meine Drohne eigentlich fliegen lassen? Angesichts vieler Gesetze und Verordnungen ist dies in Deutschland nicht leicht zu beantworten. Im folgenden Interview habe ich mich mit Andreas Dunsch unterhalten, der Ende 2015 das Unternehmen Flynex gegründet hat. Basis vieler Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet, ist umfangreiches Kartenmaterial mit dem Drohnenpiloten die Flüge ihrer Geräte planen können – jenseits von Gefahrenzonen und Bereichen, die man ohne weiteres nicht überflogen darf. Für Privatbenutzer gibt es dafür auch eine öffentliche Karte Map2Fly.  Ziel des Unternehmens ist es, „Unternehmen, die noch nie in der Luftfahrt tätig waren, zu helfen, Drohnen einzusetzen“.

Flynex wurde Anfang 2017 von vier ehemaligen Elitesoldaten gegründet. Nach einer rund einjährigen Beta-Phase ist das von Flynex betriebene Portal map2fly seit Januar 2018 in einer ersten Version online. Derzeit auf der Basis von OpenStreetmap-Karten werden sehr detailliert Areale gezeigt, in denen die Nutzung von Drohnen erlaubt. Aber auch Regionen , in denen dies nur eingeschränkt möglich oder absolut verboten ist, etwa in der Nähe von Flughäfen. Neben einer Browserbasierten Version wurden auch Apps für Android und IOS entwickelt. Die Karten sind zur privaten Nutzung frei, Zugänge mit erweiterten Möglichkeiten für Profis sind kostenpflichtig. Zwei Gründerfonds haben im Jahr 2017 einen Millionenbetrag in das Unternehmen investiert. Das Unternehmen wurde in Hamburg gegründet und hat mittlerweile einen zweiten Standort in Leipzig.

Portrait Andreas Dunsch

Andreas Dunsch begann während seiner Militärkarriere mit Drohnen rund um den Globus zu arbeiten und integrierte verschiedene Lösungen für effektbasierte Ergebnisse. Er erfuhr, dass Drohnenoperationen stark von den bereitgestellten Daten und den Resistenzen der installierten Prozesse abhängen. Er arbeitete als wissenschaftlicher Assistent im Bereich des unbemannten Luftverkehrs und gründete seine eigene Firma FlyNex, die nach Lösungen für die Probleme suchte, die er während seiner Forschungsaktivitäten entdeckte.

Geschäftsführer des Unternehmens ist Andreas Dunsch, einer der Gründer. Er bezeichnet sein Team als “ bunt gemischte Truppe“, von denen die meisten in der Freizeit Drohnen fliegen, die aber auch für professionelle Anwendungen fliegen. Einer der Entwickler bastelt in seiner Freizeit eigene Drohnenmodelle.

Die meisten Menschen haben wahrscheinlich den ersten Kontakt zu Drohnen gehabt in der Form von Spielzeug, Multikoptern. Was war Ihr erster Kontakt zu einer Drohne?

Das war bei mir im Jahr 2002 bei der Bundeswehr als wir die Einweisung in die Aufklärungsdrohne CL-289 erhielten. Das System hat mit heutigen Drohnen nicht viel zu tun, sondern basierte auf einer Feststoffrakete und wurde zur Aufklärung genutzt. Ich glaube sie wurde bereits Anfang der 90er Jahre eingeführt. Drohnentechnologie ist also de facto nichts neues.

Wann war der „Heureka-Moment“ zu Ihrem Projekt? Wie ist die Idee zu Map2Fly entstanden?

Map2Fly ist eigentlich als Abfallprodukt entstanden. Wir verfolgen ja eigentlich das Ziel und Unternehmen dabei zu helfen Drohnen effektiv in durch automatisierte Prozesse in ihre Wertschöpfungsketten zu integrieren. Und diese Lösungen werden in unseren Softwareprodukten auf Basis von Daten umgesetzt. Die Idee dazu hatten wir, als mehr und mehr Unternehmen Anfang 2015 durch den Boom der „Spielzeugsysteme“ auf uns zugekommen sind und die Frage stellten, wie sie denn nun die Geräte einsetzen sollen und können, so dass es operationell für den jeweiligen Zweck auch funktioniert. Unsere Softwareprodukte helfen Unternehmen mir Drohnen tatsächlich Kosten zu sparen und Geld zu verdienen.

Allerdings gab es keine Oberfläche auf der die Anwender hätten arbeiten können, weil weder Luftraumstrukturen noch die umfassenden Regeln verstanden wurden und werden. Es gab für unsere Zwecke keine Lösung am Markt der diesen Anforderungen gerecht werden konnten und nachdem wir uns viele Karten und Systeme auch von anderen namhaften Firmen angeschaut hatten, stellten wir fest dass wir diese nicht verwenden können und mussten daher unsere Oberfläche selbst bauen. Daraus ist Map2Fly entstanden, die wir dann auch für alle anderen Nutzer freigeschaltet haben, um hier Erstinformationen für Nutzer zu bieten.

Auf der Basis der freien Karten von Openstreetmap.org einzelne Orte mit Markierungen zu versehen – etwa um im Impressum einer Web-Site die eigene Position darzustellen – das dürfte vielen auch ohne großes technisches Wissen gelingen. Große Datenmengen zu verwalten und regelmäßig zu aktualisieren ist hingegen eine gewaltige Herausforderung. Kannten Sie sich mit diesen Themen bereits vor der Gründung aus?

Nein, wie gesagt war dieser Teil unserer Entwicklung aus der Notwendigkeit heraus geboren. Openstreetmap diente lediglich als Proof of Concept um zu schauen, ob wir in der Lage sind derartige Herausforderungen zu meistern. Mittlerweile verarbeiten wir Daten aus hunderten offiziellen Quellen in durchaus sehr sehr umfangreichen Strukturen. Das setzen der Markierungen ist auch eher langweilig, sondern uns geht es darum auf Basis der Karte aufbauend Softwarelösungen laufen zu lassen. Das ist natürlich wesentlich komplexer.

Wir haben natürlich am Anfang viel gelernt und auch gelernt damit umzugehen und damit zu arbeiten. Dazu haben wir eine eigene GeoIT-Abteilung aufgebaut und uns Geospezialisten ins Team geholt, die überragende Arbeit leisten. Mittlerweile verwalten wir nicht nur große Datenmengen und aktualisieren diese ständig, was mittlerweile 4 Personen in Vollzeit beschäftigt, sondern bieten auch Datenlösungen für Unternehmen an, die nicht wie wir die Zeit haben zwei Jahre lang diese Strukturen und Daten aufzubauen. Das bleibt jedoch auch mit Hilfe von eigens entwickelten Algorithmen und Prozessen eine Daueraufgabe, auch weil unsere Datenlage stetig wächst.

Wie findet man überhaupt die nötigen Daten für so ein Projekt? Gibt es Unterstützung von Behörden für Map2Fly?

Das ist eine gute Frage *lacht* die ich auch nicht so einfach beantworten kann. Ehrlich gesagt ist es eine mühselige Kleinstarbeit. De facto fragen wir bei Unternehmen, Behörden, Diensten, Bund, Ländern, Verwaltungen, Organisationen, Vereinen täglich an, um Daten abzugleichen, einzukaufen oder aktuelle Informationen zu beziehen. Wir haben einfach angefangen zu sammeln, zu evaluieren und letztlich verschiedene Quellen zu Nutzen. Es sind mittlerweile hunderte Datenquellen und Lieferanten von der Deutschen Flugsicherung über das Bundesamt für Naturschutz bis hin zur Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die wir abhängig von der Relevanz verarbeiten und die Daten vereinen.

Unterstützung gab es Anfangs vor allem von Seiten der Nutzer, die durch Feedback und hundertfache Zuschriften geholfen haben, Fehler zu identifizieren, und die Datenlage zu verbessern. Inhaltlich bekommen wir vor allem viel Feedback durch die Luftfahrtbehörden selbst, die uns hier als kompetente Ansprechpartner bei verschiedene Fragen weiterhelfen können. Und natürlich unterstützen uns auch unsere Kunden und Unternehmen, die damit arbeiten.

Es ist schön, dass Privatleute map2fly kostenlos nutzen könne. Aber erst mit einer steigenden Zahl von Profis kann sich das Unternehmen dauerhaft tragen. Welche Profis soll Map2Fly ansprechen?

Das Angebot der öffentlich verfügbaren Version Map2Fly_Pro für gerade einmal 4,95€ im Monat richtet sich an kleine Unternehmen, Gewerbetreibende, Piloten in Unternehmen oder Vielflieger, die ihre Aufstiege planen, dokumentieren und schnell vorbereiten wollen und damit über die reine Erstinformation hinaus gehen. Wir wollen hier die ambitionierten Steuerer unterstützen, die nicht viel Zeit in eine Aufstiegsplanung investieren möchten und einfach effektivere Prozesse abbilden wollen.

Diese Nutzergruppe wird das Unternehmen nicht dauerhaft tragen, sondern soll dazu dienen diese Steuerer zu unterstützen langfristig unbemannte Luftfahrtsysteme zu nutzen.

Der Drohnenflug wurde in den letzten Jahren stark reguliert. Das kann man verstehen, denn niemand will Spielzeugdrohnen in den Einflugschneisen von Flughäfen sehen. Und der Schmuggel von Waffen oder Drogen in den Knast ist auch nicht erwünscht. Und es gibt dabei noch viel mehr Einschränkungen zu beachten, die keineswegs so offensichtlich sind. Aber wie verbindlich ist das Angebot von Map2Fly? Wenn ich auf der Basis Ihrer Karten meine Kamera-Drohne aufsteigen lassen – kann ich dann sicher sein, dass ich legal agiere?

Map2Fly bietet eine sehr umfassende und ausführliche Erstinformation. Ich vergleiche das gern mit einem Navigationssystem im Auto, welches beispielsweise die Geschwindigkeit anzeigt. Die Informationen sind zu 99% korrekt – rechtssicher und verbindlich sind jedoch alle Systeme nicht. Selbst die Daten, die wir von Bundesbehörden beziehen und integrieren, sind von Seiten des Bundes nicht als hundertprozentig verbindlich ausgewiesen. Das liegt natürlich auch in der Natur der Sache selbst, da es bei allen Karten keine 100-Prozent-Verbindlichkeit geben kann, da mit jeder Veröffentlichung jede Karte de facto schon wieder veraltet ist.

Man kann auf Basis unser Karte eine Kamera-Drohne aufsteigen lassen, für den Flug auch im Hinblick auf den legalen Einsatz bleibt der Steuerer jedoch natürlich selbst verantwortlich.

Map2Fly - Karte für Drohnen

Map2Fly – Karte für Drohnen (Bild: flynex)

Man findet auch Stellen im Web, auf denen Menschen Map2Fly kritisieren, weil beispielsweise ein Hubschrauberlandeplatz falsch eingezeichnet sei. Und der Drohnenflug ist immerhin mit einem Radius von 1,5 Kilometern ringsum strikt verboten. Was machen Sie, um mit den Daten möglichst uptodate zu sein?

Das Phänomen der Kritik ist in unserer Gesellschaft heute allgegenwärtig. Konstruktive Kritik auch über fehlerhafte Datensätze gehen wir nach und überprüfen die Quelle und Lösungen. Wir kennen allerding auch Kritik, die weder konstruktiv ist, und oftmals auf bloßer Unwissenheit beruht, da der Sachverhalt nicht verstanden wird und viele Piloten sich den Auflagen in keinster Weise bewusst sind.

Wir versuchen folgender Methodik zu folgen: Der Aufstieg in Deutschland nirgends tatsächlich vollständig verboten noch erlaubt. Es kommt lediglich darauf an welche Auflagen man in einem bestimmten Raum erfüllen muss. Und diese Aufgaben existieren in unterschiedlichem Umfang immer, egal ob ich direkt auf einem internationalen Verkehrsflughafen fliegen möchte oder auf einem freien Feld. Habe ich alle Genehmigungen der Betreiber, Behörden, Grundstückseigentümer, etc. vorliegen kann ich auch aufsteigen.

Desweiteren arbeiten wir immer zur Sicherheit hin und informieren über Auflagen, die ich in bestimmten Räumen beachten sollte, auch wenn diese nicht explizit gesetzlich festgeschrieben sind. So sollte ich mir schon Gedanken machen, wenn ich in der Nähe eines Krankenhauses aufsteigen möchte, welches über einen Hubschrauberlandeplatz zur Notfallversorgung verfügt. Dort verbieten wir den Aufstieg nicht sondern wollen dem Nutzer aufzeigen: Achtung mache Dir darüber bitte Gedanken und informiere Dich.

Als Ergänzung bleibt noch anzumerken, das wir einige Fehler kennen, diese aber nicht ändern dürfen, da die Quelle leider den offiziell gültigen Standort eines Hubschrauberlandeplatzes abbildet, der so noch offiziell geführt wird und damit rechtlich bindend ist, auch wenn er real so nicht mehr existiert oder genutzt wird. Diese Fehler haben wir auch an die offiziellen Stellen bereits weitergemeldet, allerdings dauert es bis diese Änderungen komplett abgebildet werden. Die Ursachen dafür sind oftmals vielfältig, aber auch hier arbeiten wir mit vielen Behörden die Datenlage zu verbessern.

Ist ein fester Rhythmus für Karten-Updates geplant?

Nein, einen festen Rhythmus haben wir in dieser Form nicht, aber wir aktualisieren die Karte fortlaufen und ständig, was dem Nutzer oftmals allerdings verborgen sein wird. Es gibt feste Zyklen (zum Beispiel AIRAC) den wir einhalten, aber auch automatische und manuelle Updates, beispielsweise wenn ein Fix in der Datenlage oder einem Layer vorgenommen wurde. Feste Rhythmen machen zum jetzigen Zeitpunkt nur Sinn wenn es Strukturen gibt, die man quartals- oder jahresweise abbilden kann. Uns sind Updates in wesentlichen kürzeren Intervallen lieber.

Map2Fly ist nun seit Januar 2018 aus der Beta-Phase raus. Wie ist die Resonanz seither? Wie viele Menschen Nutzen den Service?

Im Jahr 2017 verzeichneten wir insgesamt über 70.000 Nutzer. 1.600 Piloten haben sich bereits für Map2Fly Pro angemeldet und es werden täglich mehr. Abhängig vom Wetter verzeichnen wir täglich zwischen 200 und 1000 Nutzer.

Es gibt immer mehr Ideen zur professionellen Nutzung von Drohnen. Beispielsweise nutzen Feuerwehren diese, damit sie Einsätze bei Großbränden besser koordinieren können. Aber auch in der Landwirtschaft oder durch Bergwachten. Wo sehen Sie weitere Einsatzbereiche in der Zukunft?

Aus unserer Sicht gibt es keine Branche, in der die Geräte nicht eingesetzt werden können. Daher sind wir überzeugt, dass dies auch in zehn Jahren der Fall sein wird. Derzeit sind Anwendungsfälle in der Inspektion, im Bauwesen und in der Energiewirtschaft besonders interessant.

Map2Fly macht schon einen sehr reifen Eindruck. Wie soll sich der Service in den nächsten Jahren entwickeln?

Map2Fly ist in seiner jetzigen Form nur die Spitze des Eisbergs. Wir selbst sind damit noch lange nicht zufrieden. Zunächst wird es in Kürze ein umfassendes Kartenupdate geben. Dabei wird die Datenlage nochmals umfangreicher erhöht. Wir arbeiten mit Hochdruck daran aufbauend auf Map2Fly unsere Unternehmenslösungen online einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche Features befinden sich ebenfalls in der Entwicklung, so dass wir Map2Fly zu einer umfassenden Plattformlösung für Drohnen und Daten in den nächsten Jahren ausbauen wollen.

Wird Flynex weitere Angebote entwickeln? Wo sehen Sie das Unternehmen in fünf Jahren?

Ja, im B2B Bereich verfügen wir bereits über weitere Angebote für Unternehmen, die wir vertreiben. Dazu zählt unsere Geolösung „Geosphere“ womit Unternehmen Ihre GIS-Systeme fit für den Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme machen können oder eigene Produkte bauen können. Desweiteren wird die Unternehmenslösung „Horizon“ zu einer Softwarelösung für alle ausgebaut werden. Zwei deutsche Industrieunternehmen haben uns gesagt wir wären schon heute mit Abstand Marktführer in Deutschland. In fünf Jahren wollen wir der führende Softwareanbieter für operationelle Lösungen im Markt der unbemannten Luftfahrtsysteme in Europa sein, die es Piloten und Unternehmen ermöglichen Drohnen und Daten effektiv und skalierbar zu nutzen.

Haben Sie selbst eine Drohne? Und wie nutzen Sie sie?

Ja, derzeit steht diese im Büro, da ich kaum zum fliegen komme. Ich glaube den letzten Aufstieg habe ich letztes Jahr damit im April daheim gemacht, um ein paar coole Fotos mit Freunden zu machen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dunsch!

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